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Werteblog: Wertemarketing, barrierefreies Internet, PDF und Barrierefreiheit

Rückblick doIT-Workshop: Barrierefreies Internet - mehr als nur Gesetz

Autor: M. Erle 15.6.2005, 11:00

Wirtschaftlichkeit und barrierefreies Internet - kein Widerspruch

Seit 01. Juni ist das Landes-Behindertengleichstellungsgesetz in Baden-Württemberg in Kraft getreten, das die barrierefreie Gestaltung der Internetangebote öffentlicher Stellen vorschreibt (§10 Barrierefreie mediale Angebote). Dass es jedoch weit mehr und durchaus wirtschafliche Gründe gibt, seine Website barrierefrei und damit für alle zugänglich bereit zu stellen, zeigte der gestrige Workshop, den doIT zusammen mit WEB for ALL und Wertewerk veranstaltete.

Titelblatt doIT-Workshop Barrierefreies Internet - Mehr als nur Gesetz

Barrieren erleben beim Live-Surfen mit Vorlesesoftware

Eindrücklich machten Anna Courtpozanis und Brigitte Luckhardt von WEB for ALL typische Barrieren für blinde Nutzer in einem Live-Surfen mit einem Screenreader erlebbar: statt eine Telefonnummer zu erhalten wäre das Ergebnis eines “Blindflugs”, wie Frau Courtpozanis ihren durch nichts sagende Link- und Framenamen erzwungenen Surfstil selbst bezeichnet, beinahe die Bestellung von Infomaterial für eine Versicherung gewesen. Der Grund: ein aufdringliches Popup-Fenster, das sich vor das Eingabefeld der Telefonauskunft schob, sich nicht als Fremdangebot zu erkennen gab und sich auch nicht für Nutzer von Vorlesesoftware so einfach wieder schließen ließ.

Landesportal Baden-Württemberg als Best Practice

Eva Pfendert und Sebastian Spaleck von doIT stellten den barrierefreien Relaunch des Landesportals vor. Die Gründe für die Neugestaltung waren nicht allein Anforderungen der Barrierefreiheit, sondern eine grundsätzliche Optimierung des Internetangebots im Hinblick auf ein Nutzer orientiertes Standort-Marketing und die Integration in die bestehende Image-Kampagne. Deutlich wurde die enge Verzahnung von Accessibility und Usability, Zugänglichkeit und Gebrauchstauglichkeit und die Mehrwerte, die sich darüber realisieren lassen. Beispielsweise steigerten sich die Nutzerzahlen um 30%, während sich der Datendurchsatz aufgrund der schlankeren Dateien um 30% verringerte und zur konkreten Kostenersparnis bei den Serverkosten führte.

Grundlagenwissen für den Projekterfolg

Stefan Blanz von Wertewerk konkretisierte ausgehend von der Definition, dass barrierefreie Kommunikation Zugänglichkeit von Inhalten für alle Nutzergruppen und Ausgabegeräte bietet, die konzeptionellen Grundlagen und gab Tipps, wie diese in Ausschreibungen und Verträgen Berücksichtigung finden sollten. Zu den zentralen Punkten gehören: Validität, lineare und semantisierte Auszeichnung, strikte Trennung von Inhalt und Gestaltung sowie Sprachgestaltung und spezifische Ergänzungen.

Kosten-Nutzen abschätzen und in Strategie integrieren

Im abschließenden Beitrag stellte Markus Erle von Wertewerk Gründe von Unternehmen vor, warum sie ohne gesetzliche Verpflichtung auf Barrierefreiheit setzen: maximale Reichweite aufgrund des Auftrags oder des eigenen Anspruchs sowie Suchmaschinen-Marketing ohne zusätzlichen Aufwand standen hier an erster Stelle. Unter dem Titel “10 Vorteile, 10 Argumente” erläuterte Herr Erle konkrete Mehrwerte, die sich durch barrierefreies Internet realisieren lassen, stellte sie den Kostenaspekten gegenüber und lieferte Methoden und Beispiele, wie sich Barrierefreiheit in die Kommunikations- und Marketingstrategie integrieren lässt.

Reger Austausch zu Praxisfragen

Schnell kamen Teilnehmer und Referenten in fruchtbare Gespräche zu konzeptionellen, technischen und strategischen Fragen rund um barrierefreies Internet. Bemerkenswert auch, dass das Thema barrierefreie pdfs immer weiter ins Bewusstsein rückt und auch in ersten Ansätzen konkret umgesetzt wird.

Das Fazit

  • barrierefreies Internet bietet Vorteile für alle - sowohl Nutzer wie Anbieter - und kann, soll und muss sich letztlich rechnen
  • die Empfehlung: im Rahmen eines anstehenden Relaunches Barrierefreiheit in die Marketingstrategie integrieren und fundiert auf Basis von Webstandards realisieren statt Barrierefreiheit nur als zusätzliche Anforderung an die Website isoliert zu betrachten

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