Was ist barrierefreies Internet?
Allerorten geistert es durch die Medien: das barrierefreie Internet. Doch viele fragen sich: Was ist damit überhaupt gemeint? Beantwortet man dies in einem Satz, so lautet er: Barrierefreies Internet ist die Zugänglichkeit und Bedienbarkeit von webbasierten Angeboten für alle Nutzergruppen und Ausgabegeräte.
Dies klingt zunächst entweder unverständlich oder unspektakulär. Vergegenwärtigt man sich aber, dass es nicht nur die PC-Nutzer mit Windows, Internet Explorer, Monitor mit 1024er Aufösung und Maus gibt, sieht das schnell anders aus. Man denke an:
- blinde und sehbehinderte Menschen, die Screenreader und/oder Braillezeilen benutzen
- an Mac- und Linux-User, die andere Browser einsetzen
- an mobile Endgeräte
- an Menschen, deren Sehkraft altersbedingt nachlässt und die auf skalierbare Layouts angewiesen sind.
- an motorisch eingeschränkte Menschen, sei es durch eine Behinderung oder einfach durch einen vorübergehend in Gips liegende Hand
- und viele mehr
Es wird schnell deutlich, dass die Masse der Internetbenutzer hier nur die Summe ihrer Randgruppen und Gerätekonstellationen ist. Grundlage für ein zugänglicheres Internet sind internationale Webstandards, denn durch sie erhalten wir eine inhaltsgerechte Struktur, die von allen Ausgabegeräten abgebildet werden kann.
Wie entstehen Barrieren?
Sowohl die die Benutzer als auch das Angebot können mit Barrieren behaftet sein. Sie treffen sowohl Behinderte als auch Nichtbehinderte. Hier einige Beispiele:
- eingeschränkte Sehfähigkeit (Blindheit, Farbfehlsichtigkeit, durch Altern).
- Hörstörungen: Taubstumme Menschen kommunizieren durch die DGS (= Deutsche Gebärdensprache) mit einem völlig anderen Zeichenschatz und einer eigenen Grammatik.
- Mangelhafte Auszeichnung bzw. Programmierung erschweren oder verhindern die Bedienbarkeit von Navigationen oder die Erreichbarkeit von Inhalten.
- Surfen mit kleinen bzw. Schwarz-Weiß-Monitoren (PDAs, im KfZ).
- Ein User kann oder muss manchmal einen veralteten Browser benutzen.
- Der Einsatz verschiedener Betriebssysteme (Windows, MacOS, Linux) führt zu unterschiedlichen Anzeigen.
- Manche Benutzer (z.B. ohne DSL-Anschluss) schalten die Anzeige von Grafiken und Bildern aus, um die Ladezeiten zu verringern.
- Andere unterbinden neues Fenster: Cascading Style Sheets (CSS), um eigene Auszeichnungen anzuwenden.
- Wiederum andere deaktivieren neues Fenster: JavaScript, um beispielsweise unerwünschte Werbefenster zu verhindern.
- Auch inhaltsbezogene Aspekte spielen eine Rolle: die Besucher einer Website sprechen eine andere natürliche Sprache, haben unterschiedliche Bildungsniveaus oder gar eine geistige Behinderung.
Diese Beispiele sind sicherlich erweiterbar. Aber es sollte im Rahmen dieses kurzen Überblicks nicht weiter verwundern, dass diese qualitativen Faktoren rund um die digitale Ausgabe von Inhalten etwa 20% aller Benutzer betreffen.
nach obenInformative Informationsgesellschaft?
Barrierefreiheit ist und wird für alle Anbieter von Inhalten zukunftsweisend. Sie stellt einen Beitrag zum gesamtgesellschaftlichen Konsens dar und erweitert die Etablierung von Werten und Zielen im internationalen Gefüge. Mit einem barrierefreien Digitalangebot können alle gesellschaftlich maßgeblichen Gruppen und Vertreter ihre Interessen besser verwirklichen:
- Behörden erfüllen ihre gesetzliche Selbstverpflichtung, beschleunigen ihre administrativen Abläufe, erweitern ihre Transparenz und sorgen so für mehr Effizienz, Bürgernähe und Identifikation.
- Kommerzielle Anbieter können nicht zuletzt in Anbetracht der demoskopischen Entwicklungen durch barrierefreie Internetangebote ihre Absätze und Kundenbindungen steigern.
- (Soziale) Verbände, Vereinigungen, Interessenvertretungen und kirchliche Institutionen können ihre inhaltlichen Anliegen breitenwirksamer umsetzen.
- Alle Anbieter von Inhalten erhöhen ihre Reichweite und wirken effektiver am Informationsangebot und der Meinungsbildung mit.
Ist das teuer?
Die Kosten für barrierefreies Internet sind selbstverständlich situationsabhängig. Aber dennoch gilt die Faustregel: Bei Neukonzeption oder Relaunch entstehen keine Zusatzkosten. Mittelfristig entstehen Kostensenkungen.
© 2004 Wertewerk, Autor: Stefan Blanz, 8.12.04;
nach obenWeitere Links zum Thema:
- Dr. Michael Charlier: Webstandards als Kostenbremse (externes Angebot)
- Iris Cornelssen: Wie man sieht, dass eine Website barrierefrei ist? Gar nicht. Das ist ja das Schöne! (externes Angebot)
- Martin Stehle: Über 360 Links zu Accessibility und Usability (externes Angebot)
